Der Preblauer Sauerbrunn

Lavanttal Reiseführer Preblau 2

Schon Maria Theresias Leibarzt empfahl das Mineralwasser aus dem Lavanttal und wer es sich dereinst leisten konnte, reiste selbst zur Trink- und Badekur ins noble Preblau.

„Der Sauerbrunn liegt im Lavant-Viertheil, zwischen Wolffsperg und St. Linnhart, hoch im Gebirg, auf einem luftigen Berglein; hat über all herum Wälder. Dieser ist ein vortrefflich guter und gesunder Sauerbrunn und lieblich zu trinken; er wird wegen seiner Güte auf Bamberg und andere weit entlegene Oerter verschickt. Es hat vor wenigen Jahren eine Löbliche Landschafft dess Ertz-Hertzogsthums Kärndten ein grosses wol bequemes Haus, mit vielen Zimmern, dabey erbauen lassen, samt einer schönen Capelle, neben einem großen Saal; in diesem Haus ist allezeit ein guter Wirth, von der Löbl. Landschafft, der dieser Brunnen zugehört, bestellt, bei welchem ein jeder, wess Stands er auch seye, nach Belieben wohl traetiert wird, und versehen wird.“

So beschreibt der Universalgelehrte Johann Weichard Freiherr von Valvasor den Lavanttaler Kurort Preblau anno 1688.

Als der Wiener Arzt und Botaniker Heinrich Johann von Crantz, ein Schüler von Maria Theresias Hofarzt Van Swieten, die Qualitäten des basischen Heilwassers aus dem Lavanttal bestätigte, ging der Absatz kontinuierlich nach oben. Sogar der Kaiser trank Preblauer. Und so bestellten bald alle, die Rang und Namen hatten, das Wasser aus dem Lavanttal. Vor allem, weil der Trunk bei Magen- und Darmproblemen, Nierenerkrankungen, Diabetes Typ II, Gicht und Atemwegserkrankungen Linderung bringen sollte.

Lavanttal Reiseführer Preblau 1

1871 gingen 100.000 Flaschen in alle Teile der Monarchie, 20 Jahre später waren es eine Million. Und wer es sich leisten konnte, reiste selbst zur Kur nach Kärnten. In „Dillinger’s Reise- und Fremden-Zeitung“, einer der ersten Tourismuszeitungen, liest man im Jahre 1895: „Auf saftiggüner Bergesmatte … erheben sich in einfach ländlichem Style die Gebäude unseres Curortes, das Herrenhaus, Schweizerhaus, Brunnenhaus, nebst Dependenzen, ein Tempel Hygiea’s inmitten einer urwüchsigen Alpennatur, deren Eindruck die zierlichen Anlagen und Parkwege in nächste Nähe der Curgebäude nicht zu verwischen mögen. Hier stört weder der schrille Pfiff des Dampfwagens, noch das Rollen von Equipagen oder gar plebejischem Fuhrwerk die weihevolle Stille des Alpenthales …“

Die Eröffnung der Bahnverbindung zwischen Zeltweg und Wolfsberg im Jahr 1900 erleichterte die Anreise und so trafen sich immer mehr noble Gäste aus allen Teilen des Habsburgerreiches zur Trink- und Badekur in Preblau. Bis das Ende der Monarchie auch das Ende des Nobelkurorts besiegelte. Die Bahnstation wurde geschlossen, die Fiaker spannten ihre Pferde aus, die Kurhäuser verfielen und der rote Sand der Tennisplätze verschwand unter Moos. Nur das Gelb der alten Werksgebäude erinnert heute entfernt an Schönbrunn und Glanz und Glorie.

Was blieb, sind die beiden Quellen, das Werk, in dem das Heil- und Mineralwasser mit der natürlichen Kohlensäure noch immer abgefüllt wird, und die von Dillinger beschriebene „Stille des Alpentales“.

Lavanttal Reiseführer Preblau 3

Heute wird hier entlang der Quellenwege gewandert und geradelt. Wer danach hungrig ist, braucht nicht zu darben, sondern nur weiter bergaufwärts in Richtung Prebl wandern oder fahren. In dem kleinen Bergdorf kann man nämlich wunderbar essen, trinken, die Aussicht auf die Koralm und das Obere Lavanttal genießen und gegebenenfalls gleich übernachten, weil’s so sympathisch ist: beim Weberwirt und im Hotel Restaurant Friesacherhof.

Fotos: Museum im Lavanthaus, N.N.